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Formate im eSport: Abwägungen zwischen Ligen und Turnieren

Formate im eSport sind aus vielen verschiedenen Gründen wichtig für den Ablauf von Wettkämpfen. Sie bestimmen teilweise den Erfolg der wettstreitenden Teams, das Entertainment der Zuschauer und die logistischen Fragen, die von Veranstaltern geklärt werden müssen. Welche Faktoren Formate im eSport berücksichtigen müssen, wie dabei Ligen- und Turnier-Formate abschneiden, welche Vor- und Nachteile diese haben und welche Turniere besonders für bestimmte Formate im eSport stehen, wird hier geklärt.

Formate im eSport: Welche Faktoren müssen die Organisatoren berücksichtigen?

Damit ein Format im eSport häufige Anwendung findet, muss es verschiedene Anforderungen erfüllen und durch die Organisatoren von Turnieren bei Abwägungen der unterschiedlichen Faktoren genügend Vorteile bringen, damit die Nachteile im Kontext der Gegebenheiten des jeweiligen Turniers aufgewogen werden. Vier der wichtigsten dieser verschiedenen Faktoren, die dabei in die Überlegungen einfließen, sollen hier nun aufgelistet und erklärt werden.

1. Integrität des Wettbewerbs

Die Integrität des Wettbewerbs beschreibt im Kontext der Formate im eSport den Grad, zu dem ein Format gewährleistet, dass die Teams unter fairen Bedingungen durch ihre Leistung im jeweiligen eSport-Wettbewerb bestimmen können, welche Platzierung sie erreichen. Idealerweise würde das Format gewährleisten, dass das beste Team den Wettbewerb gewinnt und danach die Platzierungen mit der tatsächlichen Leistung im Turnier korrelieren. Dieser Faktor beeinflusst zum einen, inwiefern die besten Teams und Spieler im jeweiligen eSport das Format wertschätzen und dazu auch, dass Fans, denen Fairness beim Wettkampf wichtig ist, vom Ablauf des Turniers befriedigt werden.

2. Verständlichkeit für Zuschauer

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verständlichkeit, die ein Format im eSport für die Zuschauer eines Wettbewerbs hat. Das Interesse von Zuschauern kann negativ beeinflusst werden, wenn es sich Zuschauern, vor allem jenen, die erst für einen kürzeren Zeitraum das Geschehen verfolgen, nicht einfach erschließt, welche Folgen aus dem Ausgang der Partien entstehen. Am besten wäre es, wenn jeder Zuschauer bereits nach kurzer Zeit verstehen kann, wie ein Sieg oder eine Niederlage sich auf die Situation der Teams oder Spieler, die sich im Wettstreit befinden, auswirken wird. Extrem komplizierte Formate sollten aus diesem Grund nur in Wettbewerben implementiert werden, in denen sie in den anderen relevanten Faktoren deutliche Vorteile hervorbringen.

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3. Komfort und Spannung für Zuschauern

Auf die Zuschauer bezieht sich auch dieser Punkt: Zum einen sollte ein Format während der Ausstrahlung angenehm für diese sein, beispielsweise durch regelmäßige, jedoch aber auch nicht zu häufige Pausen und zum anderen sollte es auch das Interesse von Zuschauern binden können, sodass möglichst viele von ihnen dem Geschehen über längere Zeit folgen möchten. Damit werden in erster Linie zwei Effekte ausgelöst: Die Zuschauerzahlen liefern Statistiken, mit denen die Organisatoren von Wettkämpfen Sponsoren-Deals mit Werbepartnern aushandeln können. Außerdem ergibt sich ein Schneeballeffekt, bei dem hohe Zuschauerzahlen durch die verbesserte Sichtbarkeit der Streams und Mund-zu-Mund-Propaganda immer mehr Zuschauer anlocken können und gleichzeitig auch ein erstes Interesse von potenziellen Sponsoren geweckt werden kann.

4. Logistische Fragen für Veranstalter

Zuletzt sollte genannt werden, dass die Formate auch große Auswirkungen auf logistische Fragen haben, die sich den Organisatoren der Wettbewerbe stellen: Findet beispielsweise ein Finale eines Wettbewerbs in einem riesigen Stadion statt, ist es äußerst relevant, ob ein zeitintensives Format danach verlangt, dass der Austragungsort für eine längere Zeit gebucht wird. Vor allem in Zeiten von Corona, in denen zusätzliche Auflagen die Organisatoren vor weitere Probleme stellen, ist dieser Faktor von großer Wichtigkeit.

Ligen-Systeme im eSport: endlich sichere Einnahmen im eSport durch Franchising?

Als Formate im eSport wurden Ligen in den letzten Jahren immer wichtiger. Wegweisend waren dabei aus mehreren Gründen vor allem die Ligen für „League of Legends“ von Riot Games und die Overwatch League. Erstere sollen hierbei zur Erklärung der Ligen herangezogen werden. 2013 starteten die europäische League of Legends Championship Series (kurz: EU LCS) und das amerikanische Gegenstück, die NA LCS. Mit regelmäßigen und soliden Gehältern schuf dieses System von Anfang an eine Struktur, die bis dahin im eSport nur selten vorkam. Kontinuierliches, gesichertes Einkommen für viele Spieler und deren Coaching-Staff, das unabhängig von Erfolgen war.

2018 ging die amerikanische NA LCS, die im folgenden Jahr zur LCS rebrandete, dann den nächsten Schritt: Man begann ein Franchising-Modell zu implementieren, das sich an den nordamerikanischen Profiligen von Sportarten wie Basketball, Football und Baseball orientierte. Nachdem der Schritt der US-Liga einige Vorteile brachte, stieg auch die EU LCS, die ab diesem Zeitpunkt als League of Legends European Championship (kurz: LEC) bezeichnet wurde, auf dieses Modell um.

Eine Barriere gab es für Organisationen, die die zahlreichen Vorteile dieser Ligen in Anspruch nehmen wollten: Eine hohe Beitrittsgebühr, die in den League of Legends-Ligen anfangs um die $ 10 Mio. USD und in der Overwatch League sogar doppelt so hoch ausfiel, musste entrichtet werden und die Bewerbung musste durch die Spieleentwickler Riot Games, bzw. Blizzard, bestätigt werden. Dabei achteten die Firmen auf verschiedene Faktoren wie das Kapital der Organisationen, die Größe der Marke, die Fan-Engagement beeinflusst und einen Plan für die Zukunft, mit dem eine langfristige und fruchtbare Zusammenarbeit, im Gegensatz zu einem kurzfristigen Investment, gewährleistet werden kann.

Als Format im eSport bietet die Liga außerdem gleich zwei untergeordnete Formate in einem. So spielen die Teams in der Saison meist mehrfach gegeneinander, wobei man sich dabei entweder in Einzelbegegnungen oder auch in einem Best-of-Modus misst. Am Ende der Saison findet dann ein Playoff-Turnier statt, in dem die Platzierung im Turnierbaum von der Platzierung in der vorangehenden Saison bestimmt wird und das die schlussendlichen Gewinner ermittelt.

In diesem Zusammenhang können nun die vorher aufgeführten Faktoren abgeglichen werden. Die Integrität des Wettbewerbs ist dadurch gegeben, dass eine lange Saison im Gegensatz zu Turnieren konstanter dafür sorgt, dass bessere Teams Erfolge feiern können und die Tagesform der Teams oder Situationen wie Krankheitsfälle weniger ins Gewicht fallen.

Die Verständlichkeit für Zuschauer ist teilweise erfüllt: Zum einen zeigen die Tabellen einfach, auf welchem Platz in der Liga die Teams sich befinden und werden generell auch deshalb leicht verstanden, weil sie so in den populären Sportarten, in Deutschland beispielsweise dem Fußball, verwendet werden. Das Playoff-Turnier nach dem Abschluss der Saison kann je nach gewähltem Format dann wieder schwierig oder einfach zu verstehen sein.

Der Komfort der Zuschauer ist durch den regelmäßigen Saisonbetrieb relativ hoch, da Fans über einen längeren Zeitraum garantiert bekommen, ihr Lieblingsteam in der Liga im Wettstreit zu sehen, während bei kurzen Turnieren diese schnell ausscheiden und die Zuschauer das Interesse verlieren können. Die Konstanz und Verlässlichkeit des Ligabetriebs können aber auch negative Folgen auf das Entertainment der Zuschauer haben: Dadurch, dass einzelne Spiele weniger Einfluss als in einem Turnier haben und es zahlreiche unattraktive Partien gibt, beispielsweise wenn die schlechtesten beiden Teams der Liga aufeinander treffen, kann Langeweile entstehen.
Dafür kann die Abwechslung durch das abschließende Playoff-Turnier, in dem dann auch die einzelnen Spiele schwer ins Gewicht fallen, diese Schwächen teilweise ausgleichen.

Logistische Fragen sind im Zusammenhang der eSport-Ligen dafür besonders wichtig. Da die Liga kontinuierlich stattfindet, muss entweder ein zentraler Austragungsort innerhalb der Region vereinbart und gebucht werden oder es muss mehrere, verteilte, kleinere Lokalitäten geben. In der chinesischen LPL, der Profiliga für „League of Legends“ dort, besitzen einige Teams eigene Heimarenen, während jene Organisationen, denen dafür das Budget fehlt, in einer neutralen Location antreten.

Turniersysteme im eSport: Highlight im Kalender oder Glücksspiel?

Den Ligen stehen reine Turniersysteme gegenüber. So wie im MOBA League of Legends, in dem regionale Champions im Mid Season Invitational antreten und zum Ende des Jahres die besten Teams der Regionen beim Worlds gegeneinander spielen, gibt es in mehreren Titeln Formate im eSport, in denen regionale Ligen ablaufen und dann die besten Teams oder Spieler entsendet werden um in einem großen Turnier mit der internationalen Konkurrenz in Wettstreit zu treten.

Als einer der wichtigsten Unterschiede fällt schnell ins Auge, dass Turniere in der Regel deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen. Die Integrität des Wettbewerbs kann aber, wie bereits geschildert, dann dadurch gemindert sein, dass die wenigen Partien durch die Tagesform und Meta-Entwicklungen zu großen Einfluss auf den Ausgang des Turniers haben, wodurch nicht immer die besten Teams und Spieler entsprechend abschneiden. Abhängig ist dieser Faktor aber vor allem noch vom Format innerhalb des Turniers. Ein Double-Elimination-Format beispielsweise erlaubt den besten unter den Teilnehmern öfter Erfolge zu feiern.

In gleicher Weise ist die Verständlichkeit für Zuschauer zu betrachten. Das interne Format des Turniers bestimmt, wie einfach der Verlauf nachzuvollziehen ist. Die Fußball-WM beispielsweise hat das denkbar leichteste Format mit einer Gruppenphase, in der jeder Team einmal gegen jeden Gruppengegner spielt und einer darauffolgenden KO-Phase, in der jedes Spiel direkt das Weiterkommen oder das endgültige Ausscheiden aus dem Turnier bedeutet. Die Turnierorganisatoren müssen also abwägen, ob ein komplizierteres System, das die Integrität das Wettbewerbs verbessert eine höhere Priorität darstellt, als ein einfaches, das Zuschauern leichtes Verständnis ermöglicht.

Der Komfort und die Spannung für Zuschauer fallen bei Turnieren deutlich anders aus, als in Ligen-Systemen. Da weniger Spiele den Ausgang entscheiden, kommen große Spannungsmomente häufiger vor. Gleichzeitig können Zuschauer, die zu bestimmten Zeitpunkten beschäftigt sind, leicht wichtige Partien verpassen, während in Ligen meist eine nächste Woche folgt, in der wieder der Action beigewohnt werden kann. Abschließend muss zu den logistischen Herausforderungen festgestellt werden, dass, wie bereits aufgeführt wurde, Austragungsorte und Broadcasting-Crews hier für kürzere Zeit organisiert und gezahlt werden müssen, während sich gleichzeitig neue Herausforderungen stellen.

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