Arcane begeistert Kritiker und Fans: Riesenerfolg der League of Legends-Serie

Arcane begeistert Kritiker und Fans: Riesenerfolg der League of Legends-Serie

Arcane ist eine Serie auf Netflix, die am 06. November 2021 mit den ersten drei Folgen startete und mittlerweile in Gänze veröffentlicht ist. Schnell hörte man in den sozialen Medien viele positive Nachrichten über die Serie, die sich nun auch in beeindruckenden statistischen Zahlen niedergeschlagen haben. Dabei gehört Arcane, eine Serie, die auf League of Legends basiert, einem Genre an, das in Film- und Serienform gleichermaßen viele Enttäuschungen für Fans und Kritiker bot: Dem Genre der Gaming-Verfilmungen. Wie groß der Erfolg von Arcane nun wirklich war, warum Gaming Verfilmungen davor meist gescheitert sind, was Arcane nun genau erlaubt hat, in diesem Genre trotzdem einen solchen Erfolg generieren zu können und ob sich Fans auf mehr Arcane in den kommenden Jahren freuen können, erläutern wir hier.

Der Erfolg von Arcane: Beeindruckende Zahlen, sozialer Medien-Hype und ein Hit bei Youtube

Zuerst sollte bestätigt und ausgeführt werden, in welchem Maße Arcane erfolgreich ist und welche Faktoren außerhalb des Produkts selbst den Hype um die Serie noch weiter verstärken konnten. Zunächst ist der Erfolg auf Netflix daran abzulesen, dass die Show in mehr als 30 Ländern zeitweise auf Platz eins der internen Netflix-Charts steht, was den globalen Appeal der League of Legends-Serie unterstreicht.

Doch auch die Bewertungen dieser großen Masse an Netflix-Benutzern fallen sehr positiv aus: Auf der beliebten Bewertungsseite Rotten Tomatoes hat Arcane auf dem „Average Tomatometer“ immer noch einen perfekten Score von 100%, während der „Average Audience Score“ 98% beträgt, was von großer Begeisterung von Seiten des Publikums zeugt. Auf metacritic, einer Website, die eher für Kritiker vorgesehen ist, schneidet Arcane ähnlich gut ab und ist ebenfalls nicht weit vom perfekten Score entfernt.

Zum Hype, der von Anfang an groß war, trugen viele Faktoren bei. Eine riesige Werbekampagne von Riot Games, die große Spielerzahl von League of Legends, die besonders viel Werbung auch im Spieleclient angezeigt bekam und eine allgemeine Erwartungshaltung in den sozialen Medien erschufen diesen Hype zunächst, der dadurch, im Vergleich zur Situation bei anderen Hits wie Squid Game, sofort mit Serienstart begann. Als die Show, deren Qualität durch die bereits genannten Zahlen zumindest als sehr ordentlich eingeschätzt werden kann, dann nicht enttäuschte, wurden in den sozialen Medien schnell unzählige Posts über Arcane verfasst, die sicherlich weitere Zuschauer anlocken konnten.

Durch diesen großen Erfolg kam auch die Sphäre von Youtube, die in den letzten Jahren immer mehr den Erfolg von sogenannten „Reaction-Youtubern“ beobachtete, mit in die Konversation um Arcane. Eine große Zahl dieser Creator veröffentlichte Videos zur Serie, wodurch sie weiterhin mit Youtube-Kritikern, die in ihren Videos häufig Arcane behandelten, noch mehr Aufmerksamkeit auf die Serie lenkten. Durch einen großen Anfangshype, die lautstarke Reaktion auf die Show durch die sozialen Medien und andere Web-Inhalte durch verschiedenste Influencer konnte Arcane also einen solch beeindruckenden Start auf Netflix erleben.

Warum haben Gaming-Verfilmungen bisher selten funktioniert?

Wie bereits ausgeführt wurde, steht Arcane mit diesem Erfolg in der Sphäre der Gaming-Verfilmungen jedoch relativ allein da. Meist wurden bisher sowohl Fans und Kritiker von solchen Versuchen enttäuscht. Doch welche Gründe sorgten für das Scheitern in diesen Fällen, die es ja mittlerweile schon in großer Zahl gab? Um die verschiedenen Faktoren zu veranschaulichen, werden zu den folgenden Punkten Beispiele genannt.

Zum einen gab es häufig Probleme für die kreativen Köpfen hinter den jeweiligen Serien und Filmen, wenn es darum ging, sich über die Zielgruppe im Klaren zu sein: Will man das Produkt an die breite Masse adressieren oder im Besonderen die Fans des jeweiligen Games abholen?

Die Resident Evil-Filme, die vor allem durch Paul W.S. Anderson geprägt wurden, haben beispielsweise bei der Fanbase der Spieleserie, die in der Haupt-Reihe der Games mittlerweile 8 Teile hervorgebracht hat und großen Erfolg auch dadurch erlangte, sich ständig neu zu erfinden, einen sehr schlechten Ruf. Grund dafür ist auch, dass man sich kaum an die Story oder die Atmosphäre der Spiele hält, wodurch Fans der Reihe besonders enttäuscht wurden. Trotzdem umfasst die angesprochene Filmreihe mittlerweile sechs Titel und nun einen Reboot-Teil, der vor wenigen Tagen in Deutschland angelaufen ist, was darauf schließen lässt, dass die Filme nicht völlig erfolglos blieben und auch ohne die Unterstützung der Fans ein Publikum fanden.

Abseits der Entscheidung, welche Zielgruppe besonders fokussiert werden sollte, ist offensichtlich, dass die Verfilmungen auch immer neue Fans abseits der Spieler, die durch die Vorlage mit dem Stoff in Berührung kamen, gewinnen sollen, allein schon, weil man damit gleichzeitig auch weitere Spieler gewinnen würde. Deshalb ist das sogenannte Worldbuilding, also wie man Neulinge in das Spiele-Universum einführt, besonders wichtig. Es bestimmt nämlich, wie gut die Zuschauer sich in die Welt des Films oder Serie einfühlen können und somit auch, wie groß die Immersion und der gesamte Entertainment-Faktor auf deren Seite sind. Vor allem in der Sphäre des Gaming, in der die Welten, die zudem meist detailreich sind, oft anderen Regeln folgen, ist dieser Effekt erwünscht.

Eine weitere Problematik, die sich stellt, ist inhaltlicher Natur. Soll man bei einem Spiel mit vielen Storylines und Nebenmissionen versuchen, eine einzige zu verfilmen oder mehrere in einem Film oder einer Serie zu vereinen? Die Verfilmung Warcraft: The Beginning von 2016, die den Blizzard MMO-Hit in einen Kinofilm übersetzte, behandelt beispielsweise Teile des erstes Warcraft-Spieles, das ein Strategiespiel war und versuchte weiterhin, auch Handlungsstränge aus einem der Bücher einzubauen. Diese ambitionierte Entscheidung erwies sich als schwierig, da viele Zusammenhänge und Handlungsorte, die deren Bühnen darstellen, nur angerissen werden konnten. Für diesen Aspekt erntete deshalb die Hollywood-Verfilmung der erfolgreichen Blizzard-Franchise von vielen Seiten Kritik.

Assassins Creed von 2016, ein weiterer Langfilm zu einer erfolgreichen Spiele-Reihe, die schon viele Ableger hervorgebracht hat, stellt ein weiteres Beispiel für diese inhaltlichen Problematiken dar. In den Games reist der Hauptcharakter durch die Verwendung eines futuristischen Geräts durch die Erinnerungen seiner Vorfahren in vergangene Zeiten und erlebt dort Abenteuer mit. Große Teile der Kinogänger und Streaming-Nutzer hatten Probleme damit, wie viel Platz die Handlung in der Realität, also der Gegenwart, einnahm. Die Faszination der Gamer war nämlich meist eher durch die Handlungsstränge in der Vergangenheit geweckt worden, die auch in jedem Game der Reihe fast die komplette Spielzeit in Anspruch nahmen. Doch auch Neulinge, die vorher nur wenig oder gar nicht mit Assassins Creed in Kontakt gekommen waren, bevorzugten diesen Teil im Film, was die Priorisierung der Handlungsstränge durch die Produzenten und den Regisseur endgültig als fehlerhaft entlarvte. Auch dieser Aspekt ist bei Verfilmungen von Gaming-Inhalten also relevant und sollte gut durchdacht werden.

Was macht die Serie Arcane richtig?

Durch diese durchwachsene Historie ist es umso spannender, dass Arcane anscheinend die meisten dieser Tücken umschiffen und gleichermaßen Fans von League of Legends und Neulinge überzeugen konnte. Wie konnten Riot Games, die Entwickler hinter dem MOBA-Hit, die gleichzeitig auch die kreative Kontrolle zur neunteiligen Serie innehaben, diese Blance bewerkstelligen?

Zunächst einmal ist die Frage der Zielgruppe durch Riot Games auf eine ambitionierte Weise beantwortet worden. Man versuchte, Neulinge und Spieler von League of Legends gleichermaßen zu erreichen. Damit begrenzte man sich nicht, sondern konnte den Fokus vollkommen auf eine qualitativ hochwertige Umsetzung legen. Den Zuschauern, die sich ohne Vorkenntnisse an die Serie heranwagten, erleichterte man mit cleverem Worldbuilding den Einstieg, während man Eastereggs und Raum für Spekulationen an verschiedenen Stellen einbaute, die League of Legends-Spieler begeisterten und zum Rätseln anregten. Obwohl die Spieler der Riot-Titel schon einige Informationen zu den wichtigsten Charakteren der Serie hatten, konnte man auch diese dadurch überraschen, dass man die Story als ein Prequel inszenierte, bei dessen Konklusion die Figuren erst die Stellung einnahmen, die sie in der Spiele-Welt innehaben.

Diese Entscheidung garantiert allerdings nicht, dass die Umsetzung diese Zielsetzung auch erfüllen kann. Bei animierten Serien und Filmen ist es auch von großer Relevanz, wie die Qualität des Animierten ausfällt. Arcane wurde wie bereits erwähnt von Riot Games, den Entwicklern hinter League of Legends, selbst umgesetzt, wobei unterstützend auch das französische Animationsstudio Fortiche, das in Paris beheimatet ist, mitwirkte. Die meisten Zuschauer sind sich dabei einig: Optisch ist Arcane ein Meilenstein. Auch die Sprecher, die ihre Rollen mit Leben erfüllen sollen, wurden von vielen Kritikern und Fans positiv hervorgehoben.

Für das Einhalten der Ziele, die sich Riot mit der Show gesetzt hatte, ist auch der Inhalt der Show wichtig. Man begrenzte die Handlung und die Orte, an denen diese ausgetragen wurde, auf eine einzige Stadtlandschaft im Universum von League of Legends, das unter dem Namen Runeterra viele Länder mit unterschiedlichsten Umgebungen beinhaltet. Dies half Zuschauern ohne Vorkenntnisse dabei, sich in die Welt einzufinden, bedeutete, dass weniger Zeit auf Exposition in Dialogen verwendet werden musste und, dass man fokussierter die Geschichte dieser Lokalität und seiner Einwohner erzählen konnte.

Wird es eine zweite Staffel von Arcane geben?

Durch die extrem positive Reaktion auf die Serie sind offensichtlich viele Zuschauer an der Frage um weitere Staffeln der Serie interessiert. Dieses Interesse ist auch dadurch gerechtfertigt, dass die Serie einige Fragen und Handlungsstränge offengelassen hat, die in künftigen Staffel fortgeführt werden könnten. Weiterhin hat sich die erste Staffel eben auch nur auf eine Stadtlandschaft innerhalb einer großen Spiele-Welt konzentriert, wodurch auch zahllose neue Handlungsstränge eröffnet werden könnten.

Für Fans der Serie zuerst eine positive Nachricht: Eine zweite Staffel ist bestätigt. In den sozialen Medien gab der Riot-Mitarbeiter, der hauptverantwortlich an Arcane arbeitet, an, dass die zweite Staffel kommen wird und man auch danach weitere verfilmte Inhalte aus dem gleichen Universum erwarten könnte.

Negativ könnten viele dagegen aufnehmen, dass im gleichen Post angekündigt wurde, dass die zweite Staffel frühestens 2023 veröffentlicht wird, was eine lange Pause aber hoffentlich ein ähnlich hohes Niveau bedeutet. In jedem Fall bleibt Arcane ein wichtiger Meilenstein für Gaming-Verfilmungen, ein Prüfstein für künftige Projekte wie dieses und ein Grund, mit Vorfreude in die Zukunft des Genres zu blicken.

Anzeige
30

Keine Kommentare vorhanden

Verfasse einen Kommentar