Russischer Dota-Spieler bestraft, weil er ein Z zeichnete

Russischer Dota-Spieler bestraft, weil er ein Z zeichnete

Weil er ein Z zeichnete, wurde ein russischer Profi, der in einem Dota 2-Match gegen ukrainische Gegner antrat, bestraft. Nachdem sein eigenes Team, das die russische Gaming-Organisation Virtus.pro repräsentiert, von Valve selbst aus dem Turnier geworfen wurde, hat ihn dieses dafür auch aus dem Kader entfernt. Warum bestraft wurde, dass Ivan „Pure“ Moskalenko, um den es hier geht, ein Z zeichnete, warum seine Aktion so hart geahndet wurde und ob es im eSport schon ähnliche Fälle gab, klären wir im folgenden Artikel auf.

Der Buchstabe Z: Deshalb wurden Pure und Virtus.pro bestraft

Ein Screenshot des Moments, in dem Pure auf der Minikarte das Z zeichnete

Der 18-jährige Russe hatte am 29. April in einem offiziellen Spiel, das innerhalb eines Dota 2-Turniers stattfand, Aufmerksamkeit erregt, als er auf die Minikarte der Anzeige den Buchstaben Z zeichnete. Dieser ist jedoch im Kontext aktueller Entwicklungen mit einer kontroversen Bedeutung behaftet: Im Zuge des Einmarschs russischer Truppen in der Ukraine wird das Symbol vor allem in Russland als Zeichen der Unterstützung für den Krieg genutzt. Dadurch ist diese Verwendung des Buchstaben bei einem solch öffentlich übertragenen Event besonders scharf zu kritisieren.

Auch trägt zur Schwere des Vergehens bei, dass der russische Profi das Symbol nicht in einem beliebigen Spiel verwendet hat, sondern stattdessen in einem Match das Z zeichnete, in dem sein Team, für das fünf Russen antreten, gegen ein Team aus fünf Ukrainern spielte. Es konnte also als gezielte Provokation aufgefasst werden.

Als Reaktion auf die Aktion wurden Moskalenko und sein Team zur Aufgabe der bevorstehenden Spiele verordnet und somit effektiv aus dem Turnier, dem Dota Pro Circuit Eastern European Qualifier, das Valve auch ausrichtete, geworfen. Virtus-pro entschied daraufhin auch, dass man den Spielervertrag mit Pure auflöst und gab dabei an, dass Aktionen, die Hass im eSport schüren, keine Toleranz erfahren werden. Gleichzeitig erklärte man jedoch, dass man die Bestrafung des ganzen Teams aufgrund der Aktion eines Einzelnen nicht für sinnvoll halte.

Moskalenko entschuldigte sich nach der Aktion, gab aber auch an, dass er nur beiläufig herumgekritzelt habe und so das Z zeichnete. Aus zwei Gründen ist diese Erklärung jedoch schwer zu glauben: Zum einen malte der junge Spieler nur dieses eine Symbol und zum anderen versuchte ein Mitspieler Moskalenkos sofort mit eigenem Gekritzel den Buchstaben zu überdecken, als er sah, dass Pure ein Z zeichnete, was dafürspricht, dass den Spielern durchaus bewusst war, wie problematisch das Symbol im Kontext des Krieges war.

Anschuldigungen in CS:GO: Risiken und Unklarheiten

Dota 2 blieb bisher nicht der einzige eSport-Titel der mit dem Zeichnen dieses Symbols vonseiten eines Spielers Diskussionen auslöste: In CS:GO können Spieler als Dekoration für ihre Waffen Sticker mit Spieler-Autogrammen erwerben. Der russische Profi „sh1ro“ und sein Teamkollege „interz“ wurden Anfang Mai beschuldigt, in ihren Autogrammen gezielt das Z-Symbol integriert zu haben und somit ihre Haltung zum Krieg auszudrücken.

Schnell wurden jedoch Gegenstimmen laut und auch die Erklärungen der Spieler schienen diese Anschuldigungen in einem anderen Licht zu zeigen: Bei einem der Spieler wurde eine Z-ähnliche Unterstreichung unter der Signatur vorgenommen, während der andere Spieler das Z in seinem Gamertag besonders hervorhob. Doch das Z als Unterstreichung zu verwenden, wurde sowohl von anderen, nicht russischen Spielern vorgenommen, als auch von Valve selbst in einem Leitfaden-Video exemplarisch vorgeführt, während die Anschuldigungen gegen interz von Beginn an auf unsicherer Grundlage zu fußen schienen.

Zuletzt wurde im Laufe der Diskussionen noch festgestellt, dass die Stickerdesigns schon vor dem Krieg in der Ukraine eingereicht worden waren. Journalisten aus der CS:GO-Szene warfen daraufhin den französischen Journalisten, die ursprünglich die Vorwürfe erhoben hatten, vor, leichtfertig und mit falschen Annahmen die Karrieren von jungen Profis gefährdet und diese auch Hassnachrichten und anderen Anfeindungen ausgesetzt zu haben.

Ereignisse wie diese zeigen also: Der eSport ist längst auch in der öffentlichen Sphäre so präsent, dass vermeintliche politische Statements in gleicher Weise, wie diese bei traditionellen Prominenten, vor allem in sozialen Netzwerken, rezipiert werden, schnell Gegenstand des öffentlichen Diskurses werden können. Pure, der dadurch, dass er während eines Turniers ein Z zeichnete, seine Chance im eSport wahrscheinlich verspielt hat, zeigt, wie konsequent Vergehen deshalb bestraft werden, während der Fall um sh1ro und interz die Risiken zu schnellen Urteilen aufzeigt.

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